Willkommen in Marwen

Steve Carrell lässt die Puppen tanzen: Wundervoll leichtfüßige und doch tiefgründige Tragikomödie auf Basis wahrer Begebenheiten.

​Als er am Ende eines Barabends von mehreren Angreifern verprügelt wird und nur knapp mit dem Leben davon kommt, droht für Mark Hogancamp (Steve Carell) eine Welt zusammenzubrechen. Urplötzlich steht der talentierte Maler wieder ganz am Anfang, muss sich mit aller Kraft zurück ins Leben kämpfen und elementare Dinge von Grund auf neu lernen. Zwischen Trauma und Furcht erschafft Hogancamp im Zuge seiner Reha das fantastische Marwen, eine Miniaturwelt, in der er sich selbst als Held darstellt. Sein Selbstfindungsprozess sorgt aber auch dafür, dass Hogancamp einige der brillantesten Werke seiner Karriere erschafft, die ihn neu definieren und alsbald sogar wieder zurück ins echte Leben holen können.

Ich liebe die Dokumentation. Was mich daran in erster Linie begeistert hat, war die Story an sich. Als ich dann mit Robert Zemeckis über dessen Idee sprach, daraus einen Film zu machen, war ich relativ schnell überzeugt.

Steve Carell via Collider

​Mit so ewigen Kultklassikern wie „Zurück in die Zukunft", „Forrest Gump" oder „Cast Away" legte Regie-Altmeister Robert Zemeckis ein Karrierefundament, das in jedem Falle seinesgleichen sucht. Minimale Negativausbrüche mal außer Acht gelassen („Die Legende von Beowulf"), hat sich der gefeierte Filmschaffende immer wieder auch dem animierten Medium gegenüber interessiert und ausgesprochen begeistert gezeigt. Allein die grandiose, auch heute noch absolut zeitgemäße Motion Capture-Brillanz seines „Der Polarexpress" spricht da schon für sich - das war dann im Prinzip auch das einzig Positive am sagenhaft schrecklichen Beowulf-Matsch. In „Willkommen in Marwen" verbindet Zemeckis nun zwei persönliche Leidenschaften seines bisherigen Filmcharakters auf einen Schlag: Wahre Geschichten und Animationstechnik. Auf Basis der vielfach ausgezeichneten 2010er Doku „Marwencol", dessen Regisseur Jeff Malmberg hier sogar als Produzent mitwirkte, entführt uns Zemeckis in die Fantasiewelt des Mark Hogancamp. Mit ganz spezieller Herangehensweise schaffte der Künstler es, ein schwerwiegendes Trauma mittels Fantasie und Kunstfertigkeit in den Griff zu bekommen, gar zu überwinden. Carell gibt dem seelisch zerrütteten Hogancamp schon von Haus aus die nötige Tiefe mit, um mit grandiosem Feingefühl zu begeistern. Neben ihm überzeugt der Streifen mit fantastisch energiegeladenem Frauencast, der u.a. Eiza González, Leslie Mann, Janelle Monáe oder „Game of Thrones"-Entdeckung Gwendoline Christie an die Puppenfront schickt.